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  • 06.10.2022

    Klare Ansagen

    Der neue Damen 1 Trainer André Magnenat im Gespräch.

    Aus der Halle A in der Ràmistrasse 80 hört man Schuhe quietschen und das rhythmische Prellen der Basketbälle. Davor auf der Treppe sitzen unsere Erstliga-Damen. Wie jeden Montag beginnt das Training hier im Gang mit einer Besprechung, bevor die Halle frei wird und die Spielerinnen das Netz aufbauen können.

    André Magnenat, 50, Berner mit koreanischen und afroamerikanischen Wurzeln, ist seit diesem Sommer der neue Trainer des Damen 1. Er bringt 35 Jahre Volleyball Erfahrung mit, als Spieler und Coach in den höchsten Schweizer Ligen.

    André, wie bist du zu Spada gekommen?

    Volleyball war und ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben, das mir immer viel gegeben hat. Ich möchte meine Erfahrung weitergeben und suchte deshalb nach einer neuen Herausforderung. Spada fand ich über die Vereinsliste auf Volleyball.ch.

    Ich arbeite am Utoquai, und da dachte ich: easy, Rämistrasse, da gehe ich mal gucken. Kurze Zeit später habe ich ein Probetraining mit dem Damen 1 geleitet. Ich bin ein Trainer, der fordert. Da fühlten sich einige Spielerinnen zu Beginn etwas überfahren. Aber wir haben uns gefunden.

    Wie schätzt du dein neues Team ein?

    Dieses Team hat Potential. Als ich an der Generalversammlung gesagt habe, dass ich mit dem Damen 1 als Minimalziel den dritten Rang anstrebe, dachten einige bestimmt, der hat eine grosse Klappe. Aber ich bin überzeugt, wenn man aus diesem Team das Maximum herausholt, ist es möglich, den dritten Platz zu holen. Das würde ich immer noch unterschreiben. Ich sehe das als Challenge.

    An was hast du bis zum Saisonbeginn mit dem Team gearbeitet?

    Ich habe taktisch ein paar Dinge geändert gegenüber Costa: Wir nehmen, wie die meisten Teams zu dritt ab, mit Libera. Aber die Aussenangreiferin oder die Universal, die am Netz ist, nimmt nicht an und kann sich stattdessen voll auf den Angriff konzentrieren.

    Diese Änderung hat das Team mittlerweile gut umgesetzt. In der 1. Liga und weiter oben sind gute Services 50% vom Match. Entsprechend wichtig ist die Annahme, deshalb denke ich, dass diese Strategie langfristig erfolgreich ist.

    Ein paar Spielerinnen haben nach der letzten Saison aufgehört oder sind weiter gezogen. Du hast dafür ein paar neue Talente im Team.

    Ja, Soraya und Mathilde kamen aus dem Tessin zu uns. Ich bin aber immer noch am gucken, ob wir uns verstärken können. Das Kader ist mit 11 Spielerinnen etwas knapp und im Kalender sind bereits ein paar Abwesenheiten eingetragen. Durch meine früheren Trainerjobs bin ich gut vernetzt und versuche nun, noch die eine oder andere Spielerin ins Team zu holen.

    Spada hat ein Cupspiel und die ersten zwei Matches der Meisterschaft hinter sich. Gegen Andwil Arnegg habt ihr 3:0 gewonnen und gegen Volley Toggenburg 0:3 verloren. Wie hast du diese Spiele erlebt?

    Die Saison ist noch jung und wir sind noch nicht, wo wir sein könnten. Ich masse mir nicht an, den Spielerinnen völlig neue Elemente im Volleyball zu vermitteln. Aber ich möchte den Glauben an sie selbst stärken. Wir waren im Cup Match 22:24 hinten und ich habe ihnen aus voller Überzeugung gesagt: Wir gewinnen diesen Satz! Und das haben sie geschafft, obwohl du dir ja in so einer Situation keine Fehler mehr erlauben darfst. Wenn ich es schaffe, im Team diese Zuversicht und Entschlossenheit zu stärken, habe ich meinen Job schon fast gemacht.

    Natürlich arbeiten wir im Training an technischen Elementen wie Timing etc. aber der Hauptfokus liegt auf dem Selbstbewusstsein der Spielerinnen. Sie sollen sich nicht wie die Stars fühlen, aber wissen, zu was sie fähig sind und diese Leistung abrufen können.

    Wie trainierst du die mentale Seite?

    Ich mache Übungen, die die Spielerinnen unter Stress stellen. Ich möchte ihnen vermitteln, wie sie damit umgehen können. Dazu kommt das Coaching, wo ich mich nicht immer zurückhalten kann…

    Man sagt, du seist ein harter Trainer. Von Zuschauern beim Andwiler-Match habe ich aber auch gehört, dass dies bereits Früchte zu tragen scheint…

    Ich mache halt klare Ansagen. Nicht jede Spielerin kann damit umgehen. Ich bin nicht so ein harter Hund. Aber ich denke, man darf direkt und ehrlich miteinander umgehen und ich muss auch ansprechen können, an was man individuell noch arbeiten muss. Jede Spielerin kann noch etwas dazulernen.

    Den Spielerinnen sage ich klar: Ihr spielt nicht für mich, sondern für euch. Ihr müsst mir nicht beweisen, dass ihr Volleyball spielen könnt. Aber was ihr könnt, müsst ihr liefern. Nicht weniger und nicht mehr. Ich möchte, dass ihr besser werdet.

    Was war dein Werdegang im Volleyball?

    Mit 15 Jahren habe ich im Dorfverein Münchenbuchsee mit Volleyball begonnen und wir sind dann bis in die NLA aufgestiegen. Nachher habe ich in unterschiedlichen Vereinen gespielt, mit 37 sogar noch immer in der NLB. Das ist selten und ich hatte Glück, dass mein Körper das leisten konnte.

    Und als Trainer?

    Als Trainer bin ich in der NLB gestartet. Zusammen mit einem ehemaligen Mitspieler von Ecublens habe ich das Damenteam von Cossonay trainiert und wir schafften den Aufstieg in die NLA. Danach folgten andere Damen und Herren-Teams, zuletzt in Aarberg. Ich bin jetzt 50, aber immer noch relativ erfolgshungrig und möchte auch mit den Spada-Damen etwas erreichen.

    Wo liegen die Stärken deines jetzigen Teams?

    Unsere Stärke liegt im Teamgeist. Jede Spielerin bringt etwas mit und stellt sich in den Dienst des Teams. Auf diesem Niveau ist das Team das A und O und entsprechend muss man auch neue Spielerinnen auswählen. Auch eine super starke Spielerin muss erstmal ins Team passen, sonst bringt es nichts.

    Auf dem Profilevel ist es oft anders. Da werden Spieler für viel Geld eingekauft und müssen liefern und irgendwie miteinander auskommen, selbst, wenn sie völlig unterschiedlich ticken. Auf unserem Level kann man den Teamgeist höher werten und das Team entsprechend gestalten.

    Das Coaching richtet sich auch danach aus?

    Ja. Klar: Trainingspräsenz, Einsatz und Skills spielen mit, ob eine Spielerin aufs Feld darf, aber wie das Team harmoniert, ist extrem wichtig und das hängt nicht primär von der individuellen Stärke ab.

    Ich sage immer: Hört auf, euch zu vergleichen. Ich möchte, dass ihr am Schluss sagen könnt, ihr habt euer Bestes gegeben.

    Wenn die Spielerinnen nach einer strengen Saison mit sich und dem Team zufrieden sind, weil sie ihr Bestes geben konnten, dann habe ich meinen Job gut gemacht.


    Unsere Erstliga-Damen spielen am Samstag auswärts gegen Pallavolo Kreuzlingen in der Turnhalle Remisberg um 16 Uhr.